Dienstag, 27. April 2010
Ein Drittel des Vorwortes
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen – oder vielmehr die Kochschülerin! Bei den Rezepten bin ich längst noch nicht. Heute habe ich ein Drittel des Vorwortes geschafft.

Das klingt wenig, aber diese 3 Seiten haben mir schon sehr viel von Julia Childs Küchen-Karriere erzählt. Natürlich stellt diese auch der Film vor – aber wie immer im Film können viele Details und Hintergrundinformationen nicht vorgestellt werden. Faszinierend ist jedoch, dass die Sprache in Mrs. Childs Vorwort genau zu „ihrer“ Sprache im Film passt. Das ist eine große Leistung der Filmemacher, wie ich finde, und absolut nicht selbstverständlich.

Die „gute alte Zeit“, die Julia Child in ihrem Vorwort beschreibt, könnte vielleicht heutzutage zu milden Anflügen von Neid verführen: Zumindest in ihrer Gesellschafts- und Kulturschicht erscheint alles leicht, geordnet und für die (Haus-)Frauen etwas langweilig. Frau ging zum „Ladies Lunch“, hatte Bedienstete und musste nicht selbst einkaufen und kochen – es sei denn, sie hatte Spaß und Interesse daran, wie Mrs. Child. Andererseits hatte sicher nicht jede Frau einen Mann wie Paul Child an ihrer Seite, der seine Frau nicht nur liebte, sondern auch verehrte und respektierte. Keine Meisterköchin und Kochbuch-Autorin, vielleicht eher eines der „desperate housewives“ wäre aus Julia Child geworden, hätte ihr Mann sie nicht unterstützt und ermutigt.

Zwar muss ich immer noch viele Wörter nachschlagen, aber diese in einem sinnvollen Kontext wieder in Deutsch zusammenzufügen, bereitet mir wenig Schwierigkeiten. Oft lese ich einen Satz und weiß genau, was das Ganze bedeutet – jedoch muss ich geduldig die Worte zusammentragen und aufschreiben, was etwas ganz anderes ist… Neulich las ich den Satz "Beim Übersetzen die Nase nach oben!". Die Gesamtsicht ist wichtig, nachdem man jedem Wort seine Übersetzung zugeordnet hat.

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Sonntag, 25. April 2010
Wenig mehr als die Widmung
Ja, haltet mich ruhig für faul! Dieses Wochenende habe ich gerade mal die Widmung und die erste Seite des Vorwortes zur Jubiläumsausgabe 2010 von Julia Child geschafft! Aber das Wetter war einfach zu schön, ich konnte meinem Schatz schlecht mit dem Stubenhocker-Wunsch zum Übersetzen eines Kochbuchs kommen, während draußen milde 20 Grad und Sonnenschein regierten.

Heute Abend, als ich eigentlich auf meiner Yoga-Matte hätte fleißig sein sollen, habe ich mir dann doch Julias Buch geschnappt und dachte: wenigstens das Vorwort schaffst Du heute bestimmt. Aber denkste - ich blieb schon beim Titel hängen. Im Film wird "Mastering the Art of French Cooking" übersetzt mit "Wie man die Kunst der französischen Küche meistert". Gefiel mir beim Anschauen des Films gut, aber jetzt beim Übersetzen blieb ich daran hängen. Woher kommt dieses "Wie"? Das steht im Englischen doch gar nicht da! Also übersetzte ich so: "Die Kunst der französischen Küche meistern", das gefällt mir besser.

Die Widmung von Julia Child ist wunderschön - sie widmet das Buch "Dem schönen Frankreich, dessen Bauern, Fischer, Hausfrauen und Prinzen – nicht zu reden von ihren Küchenchefs – über Generationen erfinderischer und liebevoller Konzentration eine der größten Künste der Welt erschaffen haben." Dazu fällt mir nichts mehr ein.

Dann schaffte ich noch die 1. Seite von Mrs. Child's Vorwort zur 2010er-Auflage. Hier berichtet sie von der Küche, mit der sie aufgewachsen ist - in der Familie und der Gesellschaft. Wie erwartet spielte Fleisch eine große Rolle :)

Ich bin überrascht, wie viel Zeit ich zum Übersetzen brauche! Beim Überfliegen des Kochbuchs war ich der Meinung, das Meiste verstanden zu haben und nur selten ins Wörterbuch schauen zu müssen. Doch weit gefehlt - das schriftliche Übersetzen ist davon gänzlich verschieden, da man nicht nur den Sinn verstehen, sondern erstens für jedes Wort die deutsche - und vor allem in den Kontext passende - Bedeutung finden muss und das Ganze dann auch nicht so klingen soll, als hätte man einfach ein paar Worte aus dem Wörterbuch hintereinander kopiert. Es muss auch im Deutschen den humorigen leichten Tonfall der Autorin behalten.

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Perlen in der Küche
Wer jahrelang, ach was - jahrzehntelang! - für Kinder gekocht hat, wird mich verstehen. Kinder mit dem normalen erzkonservativen Nudel-Milchreis-Kartoffelbrei-Würstchen-Geschmack meine ich. Nicht solche, die neugierig genug sind für Fisch, der nicht viereckig und paniert ist und dergleichen. Solche Wesen haben bei mir nie gelebt, was zu einer gewissen Eintönigkeit beim Kochen führte und dazu, dass ich keine Lust zum Kochen mehr verspürte, seit meine Kinder das Nest verlassen hatten bzw. seltener zuhause waren. Ich war auf dem besten Wege, gute Küche für völlig überbewertet zu halten. Mehr als ein Mal hatte mein Abendessen aus Käse-Ecken und einem Burger bestanden, womit ich auf dem Heimweg mein Auto verklebte.

Dann, an einem wunderbar langweiligen Urlaubstag vor ein paar Wochen, kaufte ich mir in einem Real-Markt die DVD "Julie & Julia", weil ich Meryl Streep und Amy Adams verehre. Sie waren wie immer wundervoll, aber die beiden Geschichten des Films begeisterten mich womöglich noch mehr. Zu meinem 43. Geburtstag diese Woche schenkte ich mir also das Buch, dem alles zugrunde liegt: "Mastering the Art of French Cooking" von Julia Child. Wie bezaubernd! Ein Buch für Anfänger in der französischen Küche - gleichwohl jedoch nichts für Anfänger in der englischen Sprache. Da ich seit einiger Zeit meine Englisch-Kenntnisse verbessere und dies weiter tun möchte, blinkte die Idee in meinem Kopf auf: Übersetze das Buch, um all die französischen Köstlichkeiten und auch Julia Childs überaus witzige Sprache auch in deiner Muttersprache zu genießen!

Da sind wir nun - das Buch und ich. Plus das dicke Oxford-Wörterbuch und ein Cambridge-Dictionary. Und über allem die Hoffnung, dieses Werk zu bewältigen. Wie das gelingt und was ich dabei erlebe, davon handelt dieser Blog. Also los - ich wünsche uns allen viel Spaß!

Und die Perlen? Was mich an der Beschreibung von Julia Child im Film "Julie & Julia" wirklich gerührt hat: Sie trägt immer eine Perlenkette, wie auch Julie Powell fasziniert feststellt, als sie die TV-Koch-Aufnahmen von Julia Child anschaut. Julie bekommt von ihrem Mann zum Geburtstag ebenfalls eine Perlenkette, die sie von da an immer trägt. Und nun bin ich an der Reihe - auch mir schenkte mein Liebster zum Geburtstag eine Perlenkette und so werde ich mich den beiden hinreißenden Ladys, die ihre Perlen sogar in der Küche tragen, anschließen.

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